Das Forum ist ein Versuch für eine ernsthafte geistige Arbeit im vorsozialen Raum (Internet)

AUFRUF AN DIE WACHEN GEISTSUCHER

Aufruf an die wachen Geistsucher

Die gespaltene Gesellschaft steht an einem Scheideweg.

Der bisherige Kapitalismus drängt den Staat zu einer Symbiose, um eine neue Form zu etablieren, welche in China bereits lang bekannt ist. Wir adaptieren gerade dieses erprobte Verwaltungssystem von Menschenmaterial an unsere kultur-charakterliche Eigenheiten. Es wird also ein 'europäisches China' geben.

Die materialistische Ideologie, die wir ganz systematisch zu dem 'einzig wahren' Weltbild gemacht haben, wandelt sich - im Sinne einer folgerichtigen Konsequenz - bereits seit ca. 100 Jahren zu einer transhumanistischen Ideologie. Auch die gut gemeinten materialistischen Impulse für die Klimarettung, die Tiere oder für das Wohlergehen der Menschheit selbst drehen und wenden sich innerhalb der gleichen Ideologie. Die Menschen dahinter stellen sich das Leben nur schöner, gesünder, sicherer und sozialer vor. All diese Impulse schaffen es nicht über den 'rücksichtsvollen Hedonismus' hinaus, das materielle und 'seelische' Leben soll genossen werden.

Das Seelische wird dabei - durchaus auch mit delikatem Anspruch - auf die Befriedigung von Emotionen und jeglichen Trieben reduziert. Die Sackgasse des Materialismus haben wir verschlafen, jetzt verschlafen wir den ganz realen Transhumanismus, der als solcher gar nicht groß auffällt. Wir meinen, wir sind immer noch Menschen, doch wir haben uns des Menschlichen beinahe entledigt. Die Frage nach dem Geist interessiert uns höchstens als schillernde und wohltuende Esoterik oder als Ausbeutungsinhalt 'kreativer Gehirne'. Die abgetriebene menschliche Wirklichkeit, die sich ganz konkret im in der Seele tätigen und denkenden Geist offenbart, die gleiche - weil dem Selbstbewusstsein artverwandte, selektive und entwicklungsstrebende - Tätigkeit, die die Natur bis ins Detail gestaltet hat, wird von uns mit Spott und Ignoranz abgewiesen. Wir wollen sie als Homoökonomicus nur analysieren und nutzen. Die verlogene Predigt von 'an seine Grenzen gekommenen Menschen, der nichteinmal dem Tier gerecht wird' ist allgegenwertig. Nur weil der Mensch nicht zu seiner Entwicklung und seinen Qualitäten kommen will, nur weil er aufgrund seiner Bequemlichkeit und Angst das niederschwellige Üble zur Tat auserwählt, soll er mit dem dreckigen Bade ausgeschüttet werden.

Diese Zeit des anfänglich aufwachenden Transhumanismus rüttelt auch diejenigen auf, die ganz unbewusst dafür gearbeitet haben (und es waren wohl ziemlich alle). Es gibt viele, denen die Früchte ihrer konsequenten Arbeit in diese Richtung nicht gefallen. Sie wollen sie als die eigenen Früchte gar nicht anerkennen. Man ist zwar jetzt hier und dort gegen die Regierung oder gegen den aufkommenden Hygiene- und Medizinwahn, doch dieser Wahn kommt nicht einfach nur von einer ideologischen Elite. Dieser Wahn wurde von der Gesellschaft über 100 Jahre lang bis ins Detail gestaltet und genossen! Der Wahn des Materialismus brachte uns nun mal den entsprechenden Umgang im Sozialen und im Medizinischen. Die Verwaltung der Biomasse, die sich selbst zur Biomasse degradiert, muss nun mal entsprechende Formen annehmen.

Doch genau hier steckt die Möglichkeit an diesen bitteren und erschütternden Früchten zu erwachen! Genau hier können wir mit Entsetzen aufwachen und feststellen, dass wir die Suche nach dem Menschlichen, welches sich nur in der konkreten Erkenntnis geistig-menschlicher Realität findet, verloren haben! Wir haben die Möglichkeit diesen Punkt zu betrachten, darüber zu diskutieren, es zu verdauen und dann neue Urteile über unsere Gegenwart und Zukunft zu bilden.

Schaffen wir es nicht, die Gesellschaft und sich selbst aus dem Geiste heraus aufzubauen, jeden Impuls mit dem Geist als Zentrum zu verbinden, werden wir auch im Transhumanismus weiter schlafen. Die Qualen dieser fortschreitenden Dehumanisierung kann man sich noch gar nicht richtig ausmalen. Sie werden bis zu einem gewissen Grad mit Bequemlichkeit, Sicherheit, Wohlstand und Spaß überdeckt, doch die Endstation dieser Schlafwandlung sollte einem klar sein - es ist der Posthumanismus, das höchste Ziel, das Ideal der modernen Elite und eines schlafenden materialistischen Menschen. Nur den Menschen wird es da nicht mehr geben. Das, was man dort als den Menschen bezeichnen wird (wenn diese Bezeichnung dort überhaupt noch geben wird), kann man sich eher schwer vorstellen. Menschlich wird dort aber nichts mehr sein. Das Menschliche wird verdrängt und geknechtet.

In diesem Sinne rufe ich alle auf, die den Ernst auch ohne Pathos verstehen und gewillt sind, diesen Zeitgeist genau zu betrachten und daraus einen neuen geistigen Humanismus zu begründen, einen Humanismus, der dem Menschen in seiner zentralen Qualität - dem Geist - gerecht wird!

Einige von uns sind verstreut in verschiedenen Initiativen und Einrichtungen, die teilweise hohe Ideale hatten, doch diese längst verlassen haben. Im Sinne der "Grundmaxime des freien Menschen": "leben in der Liebe zum Handeln und Lebenlassen im Verständnisse des fremden Wollens" (R. Steiner, Philosophie der Freiheit, 1893) können wir solche Einrichtungen ihren Weg gehen lassen, geistig zusammenströmen und Konflikte, die uns meist vorrangig in Begegnungen beschäftigen, zu ertragen lernen. Denn mit einem gehetzten Aktionismus hat dieser Aufruf nichts zu tun. Die bisherigen Initiativen sind an ihren unreflektierten Charakterschwächen gescheitert. Sie haben es nicht für nötig befunden, so weit kritisch nach innen zu schauen, dass die dort tätigen Kräfte freie Hand hatten. Die nach außen geltende Tatkraft ist ohne den möglichst scharfen Blick nach innen nur eine gute Gelegenheit für Gegenkräfte jede Initiative entsprechend ins Verkehrte zu wandeln. Doch auch die Beteiligung derjenigen, die noch in guten lebendigen Initiativen tätig sind, ist im Sinne der ideelen Verbindung über die eigene Organisation hinaus für das Gelingen menschengerechter gesamtgeselschaftlicher Impulse essenziell.

In diesem Zusammenströmen soll also vorerst vor allem der Wille zu einer gemeinsamen Auseinandersetzung da sein. Bevor das sogenannte Karma, die Konflikte zwischen den Menschen, nicht zu einem überwiegenden Teil geklärt werden können, kann keine gesunde und gemeinsame Tatkraft wachsen. Hier soll kein bloßer Wille zu einer naiven per se gegebenen wohligen Gemeinsamkeit kultiviert werden, sondern die Individualkraft, die erst aus sich heraus zum realen sozialen Raum finden kann. Erst wenn Menschen im Kleinen diesen Raum finden, wird er entsprechend nach außen wirkungsvoll strahlen können. Durch diesen Aufruf soll also keine 'Rettungsinsel von Gleichgesinnten oder Überlegenen' geschaffen werden. Hier soll es um die praktische Arbeit an der untergehenden Gesellschaft gehen. So düster es klingen mag, um so mehr wollen wir daraus das konkret und praktisch Lichtvolle ergreifen und fördern.

Vielleicht erschaffen wir daraus neue Initiativen, neue Einrichtungen und Organisationen, neue Netzwerke, die dieser untergehenden Zeit einen hoffnungsvollen Siegel einprägen! Doch auch die kleinsten Gruppen, wenn sie sich in diesem Willensimpuls verbinden, werden dieser Zeit eingeprägt bleiben. Die Tat soll uns wichtiger als irgendein Ergebnis sein.